Fachkräftemangel, demografischer Wandel, Digitalisierung – große Begriffe, die Unternehmen in Brandenburg ebenso beschäftigen wie uns im Zukunftszentrum. Auch die Pflege, einer unserer beiden Branchen-Schwerpunkte, bleibt davon nicht unberührt.

Nicht erst seit dem Anschluss der Pflege an die Telematikinfrastruktur im Sommer 2025 zeigt sich, was es bedeutet, wenn eine gesamte Branche innerhalb kurzer Zeit vor weitreichenden Digitalisierungsprozessen steht. Zum Jahreswechsel trat zusätzlich das Befugniserweiterungs- und Entbürokratisierungsgesetz in der Pflege (BEEP-Gesetz) in Kraft. Das Gesetz umfasst zahlreiche Regelungen, unter anderem mit dem Ziel, Dokumentationspflichten zu reduzieren und die Pflegeberufe aufzuwerten: Pflegefachpersonen sollen künftig eigenständig Heilkunde ausüben, Pflegediagnosen stellen sowie Pflegehilfsmittel verordnen dürfen.

Was bedeuten die Veränderungen für die Praxis?

Über diese Veränderungen wurde viel gesprochen – auch öffentlich. Mit den genannten Veränderungen gehen vermutlich auch Auswirkungen auf den Arbeitsalltag. Uns hat deshalb vor allem interessiert, was sie ganz konkret für einzelne Pflegeunternehmen in Brandenburg, aber auch für die Pflegenden selbst bedeuten. Sind die Veränderungen im Arbeitsalltag spürbar? Und wenn ja, wie wirken sie sich aus? Welche Befürchtungen gibt es, welche Chancen werden gesehen?

Perspektiven aus den Pflegeunternehmen in Brandenburg

Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, die Perspektiven der Unternehmen selbst einzubeziehen. Dazu haben wir eine kleine, nicht repräsentative Umfrage an einige stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen in Brandenburg versandt. Gefragt haben wir nach den derzeit größten Herausforderungen, den erwarteten Veränderungen sowie nach dem Unterstützungsbedarf der Unternehmen. Dabei haben uns ein paar spannende Rückmeldungen erreicht.

Als zentrale Herausforderungen werden insbesondere Schnittstellenprobleme benannt – also spezifische Anforderungen an die zu verwendende technologische Infrastruktur, aber auch Schwierigkeiten bei der umfassenden Nutzung der Telematik, da diese vielerorts noch nicht flächendeckend bei allen beteiligten Akteuren etabliert und akzeptiert ist. Die Folge: Digitalisierung wird häufig (noch) nicht als Entlastung wahrgenommen, sondern eher als zusätzlicher Aufwand in einem ohnehin schon stressigen Arbeitsalltag. Dazu kommt: bereits jetzt fehlen in vielen Einrichtungen zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen. Auch die notwendige Schulung und Motivation zur Nutzung und Anwendung von Technik durch die Mitarbeitenden werden als Herausforderung genannt.

Zwischen Belastung und Aufbruch: erwartete Veränderungen

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den erwarteten Veränderungen: Organisations‑ und Kompetenzentwicklung werden als zentrale Aufgaben bei der aktiven Gestaltung des Wandels benannt. Gleichzeitig wird auch eine optimistische Perspektive sichtbar. Einige Teilnehmende verbinden die Weiterentwicklung von Kompetenzen ausdrücklich mit einer zunehmenden Professionalisierung der Pflege. Auch die Chancen einer gelungenen Digitalisierung – etwa der Wunsch nach Zeitersparnis, schnellere und sicherere Kommunikation sowie eine vereinfachte Dokumentation – werden hervorgehoben.

Austausch zum Internationalen Tag der Pflege

Mit diesen Erkenntnissen im Gepäck haben wir am 12. Mai, anlässlich des Internationalen Tages der Pflege, zu einem Online‑Gespräch unter dem Motto „Befugnisse im Wandel, Bedarfe im Wandel – was bewegt Sie in Ihrem Pflegeunternehmen?“ eingeladen. Pflegeunternehmen aus Brandenburg nutzten die Gelegenheit, sich mit uns über aktuelle Veränderungsprozesse auszutauschen und ihre Erfahrungen aus der Praxis zu teilen.

Dabei wurde erneut deutlich, wie mühsam Digitalisierungsprozesse sein können, wenn weiterhin Fax und Papier für die Kommunikation mit weniger digitalisierten Akteuren notwendig sind. Hinzu kommt, dass engagierte „Digitalisierungsbotschafter*innen“ diese Rolle aufgrund des anhaltenden Personalmangels häufig nur eingeschränkt wahrnehmen können.

Generationen, Ausbildung und Digitalisierung

Auch das Thema Generationen und unterschiedliche Erwartungen an die Arbeitswelt wird diskutiert. Zwar haben jüngere Menschen im Alltag häufig mehr Kontakt zu digitalen Anwendungen, dennoch spielt Digitalisierung in der Pflegeausbildung bislang eher eine untergeordnete Rolle.

Unsere Einladung: reflektieren, Möglichkeitsräume eröffnen und gestalten

Als Zukunftszentrum Brandenburg möchten wir Sie bei diesen und anderen Themen des Wandels begleiten.

Wir bieten unterschiedliche Formate an, Arbeits- und Organisationsgestaltung aktiv anzugehen und Mitarbeitende in Veränderungs‑ und Digitalisierungsprozessen mitzunehmen.

Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.